Gary B. Gorton: Misunderstanding Financial Crises. Why we don’t see them coming. Oxford University Press, Oxford, New York, 2012.

Gary B. Gorton ist ein Experte auf dem Gebiet der Analyse von Finanzkrisen.

Um es vorweg zu nehmen: “Misunderstanding Financial Crises” ist eine fundierte Analyse, ein Gegenentwurf zum Mainstream der Analyse von Finanzkrisen. Gorton kommt zu klaren Aussagen: Ökonomen nutzen die falschen Daten und Modelle. Regulatoren verfehlen das Ziel eine stabiles Finanzsystem zu entwerfen. Als prominentes Beispiel wird der Dodd-Frank-Act genannt.

Der Autor zeigt auf und zieht klare Schlüsse:

Finanz- und Bankkrisen haben ihren Ursprung auf der Passivseite der Bilanz, den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Wenn Unsicherheit über die Qualität der zur Besicherung dienenden Aktiva herrscht, ziehen Kreditgeber ihre Einlagen innerhalb kurzer Zeit ab.

Im Zuge der Finanzkrise 2007/2009 hat ein solcher Bank Run auf dem Interbankenmarkt stattgefunden. Betroffen war unter anderem der nicht regulierte Repo-Markt (Shadow Banking). Da es den betroffenen Banken nicht möglich war eine Anschlussfinanzierung einzugehen, mussten nicht refinanzierbare Aktiva am Markt mit Verlust verkauft werden. In Folge explodierten die Credit Spreads der Banken. Die Interbankenmärkte trockneten innerhalb kürzester Zeit aus.

Gorton arbeitet die wesentlichen Treiber krisenanfälliger Finanz- und Banksystems heraus: (1) Banken benötigen für ihre Refinanzierung risikofreie Sicherheiten, die es faktisch nicht gibt, (2) es herrscht keine Transparenz über die Qualität der Aktiva am Markt, (3) Deregulierung bzw. das hohe Volumen des Shadow-Bankings führt zu einem hohen Risikoexposure der Banken.

Eine direkte Regulierung der kurzfristigen Finanzierung auf Bankebene kann laut Gorton nur bedingt zur Stabilisierung des Finanz- und Banksystems beitragen. Vor allem wird die Rolle des Finanzsystems, ökonomisches Wachstum zu ermöglichen, konterkariert. Er fordert eine differenzierte Betrachtung und entwickelt die folgenden Ansatzpunkte: (1) Regulierung des Shadow-Banking-Systems sowohl in Bezug auf die Produktion von Sicherheiten (Verbriefungen) als auch in Bezug auf den Repo-Markt anhand gezielter Maßnahmen, (2) Sicherstellung der Unabhängigkeit der Zentralbanken.

In der Gesamtschau zeigt Gorton’s Analyse, dass das Shadow-Banking-System ein zentrales Element der Regulierung des Finanz- und Banksystems sein sollte. Ökonomisches Wachstum ist ohne das Shadow-Banking-System nicht möglich. Ein stabiles Wachstum basiert wiederum auf Transparenz und gezielter Regulierung und Überwachung dieses Systems.

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