Bankaufsichtliches Eigenkapital: an der Qualität wird noch gefeilt

Ab dem 1.1.2014 gelten die strengeren Anforderungen der CRR an das bankaufsichtliche Eigenkapital. Während die Bestandteile bspw. des harten Kernkapitals klar definiert sind, hat die EBA den Auftrag mit Blick auf die Werthaltigkeit von Kapitalbestandteilen nachzujustieren. Konkret wird aktuell der Abzug nicht realisierter Gewinne vom bankaufsichtlichen Eigenkapital als Prudential Filter sowie, unter dem Stichwort Prudent Valuation, der Abzug von (aufsichtsrechtlichen) Bewertungsanpassungen von zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Vermögenswerten und Verbindlichkeiten diskutiert.

Im August und Juli diesen Jahres hat die EBA ein Discussion Paper (Prudential Filter) sowie ein Consultation Paper (Prudent Valuation; draft RTS) zu den beiden Ansätzen veröffentlicht: EBA_CP_2013_28_Prudent Valuation EBA-DP-2013-03 (DP Technical Advice unrealised gains)

Folgend interessieren zwei wesentliche Punkte:

a) Das Zusammenspiel des Prudential Filters mit den bilanziellen Bewertungsvorschriften nach IAS 39.

b) Das Zusammenspiel der Prudent Valuation mit dem Prudential Filter.

Prudential Filter und Bewertungsvorschriften nach IAS 39: Der Prudential Filter kann bei asymmetrischer Berücksichtigung von a) lediglich nicht realisierten Gewinnen und b) Anlagebuchpositionen unerwünschten Einfluss auf die Kapital- und Bilanz-Steuerung der Banken nehmen. Wir befürworten daher die Ansicht der EBA, dass eine Portfolio-Betrachtung eingenommen werden sollte, um nicht realisierte Verluste entsprechend gegenrechnen zu können, unabhängig davon, ob die Positionen in den (bilanziellen) Kategorien AfS oder FV-Option gehalten werden. Dieser Logik folgend, wäre im Fall von Sicherungsbeziehungen der nicht realisierte Gewinn des Grundgeschäfts mit dem nicht realisierten Verlust des Sicherungsgeschäfts zu verrechnen.

Prudential Valuation und Prudential Filter: Die beiden Ansätze verfolgen im Detail unterschiedliche Ziele, haben jedoch gemeinsam, dass das bankaufsichtliche Eigenkapital reduziert wird: Der Abzug von Bewertungsanpassungen (Prüden Valuation) soll vom harten Kernkapital (CET1) vorgenommen werden. Reduktionen aus dem Prudential Filter können sämtliche Kategorien des bankaufsichtlichen Eigenkapitals betreffen. Wesentlich im Zusammenspiel dieser beiden Ansätze ist aber die mögliche Doppelbelastung des bankaufsichtlichen Eigenkapitals im Fall von Finanzinstrumenten, die den Kategorien AfS und FV-Option zugerechnet werden. Dies erscheint vor der gemeinsamen übergeordneten Zielsetzung einer Verbesserung der Verlustabsorptionsfähigkeit nicht sachgerecht; im Rahmen der weiteren Ausarbeitungen von Empfehlungen gegenüber der EU-Kommission sollte eine entsprechende Differenzierung erfolgen.

Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass die EBA im Auftrag der EU-Kommission die Werthaltigkeit von Eigenkapitalpositionen hinterfragt. Das gehört bei der Bankenanalyse zum Standardrepertoire und erscheint durchaus sachgerecht, bspw. hat eine positive Neubewertungsrücklage im Verlauf der Bankenkrise keine hinreichende Verlustabsorptionsfähigkeit gezeigt. Genau dieses Kriterium definiert  die EBA konsequenterweise als Voraussetzung dafür, dass die Bestandteile des harten Kernkapitals, also a) Kapitalinstrumente,[1] b) deren Agio, c) einbehaltene Gewinne, d) das kumulierte sonstige Ergebnis, e) sonstige Rücklagen und f) den Fonds für allgemeine Bankrisiken als solches anerkannt werden: Diese Werte müssen „dem Institut uneingeschränkt und unmittelbar zur sofortigen Deckung von Risiken und Verlusten zur Verfügung stehen“ (Artikel 26 Abs. 1 CRR). Wagen wir einen Ausblick: Insbesondere von dem Prudential Filter werden vor allem Banken mit einer (hohen) positiven Neubewertungsrücklage aus Fremd- oder Eigenkapitalinstrumenten betroffen sein. Zudem wird – im Kontext IFRS 9 betrachtet – ein weiterer Baustein dafür gelegt, das Kreditgeschäft zu standardisieren und die zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Positionen zu reduzieren.

Zur Zeitschiene des Prudential Filter “unrealised gains”: Am 2. August hat die EBA ein erstes Diskussionspapier zu diesem Thema veröffentlicht. Die Konsultationsfrist läuft bis zum 27. September 2013. Bis zum 1. Januar 2014 sollen der EU-Kommission Empfehlungen zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten vorgelegt werden (Artikel 80 Abs. 4 CRR). Die Erstanwendung ist im Rahmen der Übergangsvorschriften Artikel 468 CRR ab dem 1.1.2015 realistisch.


[1] Sofern die Voraussetzungen der Artikel 28 f. CRR erfüllt sind.

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