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14 of the 24 German Banks who are challenged under the ECB Stress Test are represented by the German Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). This organisation today published a review explaining the main traits of the EU Stress Test 2014. You can find the document under the following link.

Information on the Stress Test scenarios is published on the site of the European Banking Authority (EBA).

Ziel der folgenden Ausführungen ist die Einordnung der AQR in die Entwicklung des künftigen europäischen Bankaufsichtsregimes der EZB. Zu Fragen und vertiefenden Diskussionspunkten,  auch in Bezug auf Stresstesting-Anforderungen, kontaktieren sie uns gerne unter bankenanalyse@gmx.de.

Die europäische Bankenregulierung wird zunehmend US-amerikanischer: Wesentliche Schritte wie ein europaweit einheitliches Regelbuch sowie der europäische Aufsichts- und Abwicklungsmechanismus sind konzeptionell ausgearbeitet und befinden sich in der Umsetzungsphase. Das ist gut. Aber es handelt sich nur um erste Schritte. Die entscheidenden Maßnahmen, um das Ziel der G20, die Stärkung der Finanzstabilität tatsächlich zu erreichen, stehen noch aus. Ein wesentlicher Teilbereich dieser noch offenen Punkte wird die Verzahnung und Konsistenz von bankaufsichtlichen und rechnungslegungsspezifischen Daten sein als Voraussetzung einer integrierten (externalisierten) Offenlegung und (internalisierten) Steuerung der Banken.

Das hat einen guten Grund: Kapital- und Liquiditätspuffer halten was sie versprechen nur dann, wenn Dritte die Möglicheit haben mögliche Konsequenzen mikro- und makroprudenzieller Schocks zu beurteilen, also die relative Qualität der Puffer in Abhängigkeit des Geschäftsmodells und der spezifischen Bankrisiken zu verstehen. In Bezug auf die Entwicklung eines am Ziel der G20 ausgerichteten supra-nationalen bzw. europäischen Finanzsystems sind künftig drei wesentliche Bausteine zu entwickeln und zu implementieren:

1) detaillierte Transparenz der Banken gegenüber Aufsichtsbehörden als Voraussetzung einer makroprudenziell integrierten Steuerung von Finanzsystemen und einer mikroprudenziellen Überwachung einzelner Banken;

2) integrierte Prognose, Stresstesting und Szenarioanalyse im Rahmen der Gesamtbanksteuerung einzelner Banken als Voraussetzung zielgerichteter Managemententscheidungen in einer Welt komplexer Abhängigkeiten;

3) Transparenz von Kerninformationen gegenüber Marktteilnehmern als Voraussetzung liquider (Teil-)Märkte auch im Krisenfall – mithin eine der Basis-Annahmen des bankaufsichtlichen Regelwerks.

Sehen wir uns die einzelnen Punkte näher an:

Detaillierte Transparenz der Banken gegenüber Aufsichtsbehörden: Frau Lautenschläger weist in ihrer Rede vom 6. November auf die Bedeutung der makroprudenziellen Aufsicht hin: “Die makroprudenzielle Überwachung soll Entwicklungen, die das Finanzsystem gefährden können, frühzeitig identifizieren und bewerten”. Der Weg dorthin ist noch weit. Auf die Bedeutung des Schattenbankensektors, der mittlerweile geschätzt 25% des globalen Finanzsystems ausmacht, sei hier nur am Rande hingewiesen. Entscheidend für die Zielerreichung wird sein, auch von diesem Sektor adäquate (markt-)aufsichtliche Transparenz einzufordern. Ein ebenso bedeutender weiterer Baustein ist das aufsichtliche Stresstesting. Hier sind die europäischen Aufsichtsbehörden auf einem guten Weg, genauer: auf einem Weg nach US-amerikanischem Vorbild: US-Bank-Holdings (BHC) führen (quartalsweise) eine sogenannte Comprehensive Capital Analysis and Review (CCAR) durch. Der Stresstest ist dynamisch und umfasst mehrere zukunftsorientierte Szenarien, um Bilanz-, GuV-, Kapital-, Liquiditätsdaten zu prognostizieren. Neben den Stress- und Prognoseergebnissen übermitteln die Banken weitere granulare Daten an die FED. Diese nutzt die Daten, um eigene Analysen auf systemischer und instituts-individueller Ebene durchzuführen. Zudem werden die Prognosen der Banken kritisch beurteilt. Dass die USA hier weiter sind als die europäischen Aufsichtsbehörden zeigt der Rückblick: Bereits im Jahr 2009 hat die FED das sogenanntes Supervisory Capital Assessment Programme (SCAP) aufgesetzt. Das Pendant auf europäischer Seite waren die in den Jahren 2010-2011 vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) durchgeführten Stresstest. Letztere wurden (zurecht) heftig kritisiert: In den USA wurde bei 19 untersuchten Banken eine Kapitallücke von 75 Mrd. US-$ festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. In Europa wurden 91 Banken geprüft. Die identifizierte Kapitallücke belief sich auf 3,5 Mrd. US-$; kritische Stimmen verweisen seitdem auf „Zombiebanken“. Mit der aktuell in Europa gestarteten AQR und dem anschließenden Kapital-Stresstest werden erstmals auch von europäischen Banken Grundelemente des US-amerikanischen CCAR eingefordert. Künftig wird eine solche detaillierte Analyse auch in Europa regelmäßig im Rahmen des Supervisory Reportings zu erfüllen sein. Vorboten dieser Entwicklung sind beispielsweise die britische und spanische Aufsicht, die dieses Richtung bereits auf nationaler Ebene eingeschlagen haben.

Integrierte Prognose, Stresstesting und Szenarioanalyse im Rahmen der Gesamtbanksteuerung: Die aufsichtlichen Transparenz- und Stresstest-Anforderungen wirken sich unmittelbar auf die Gesamtbanksteuerung der Banken aus. Künftig werden wesentlich höhere Anforderungen an die Qualität und Datenintegrität von Planung, Prognosen und Stresstest gestellt. Ein Teilaspekt dieses Baukastens wurden beispielsweise durch das BCBS-Paper no. 239 (Risk Aggregation and Risk Segregation) adressiert.

Transparenz von Kerninformationen gegenüber Marktteilnehmern: Der Rückblick auf die unmittelbare Post-Lehman-Phase zeigt, dass das Marktversagen zu wesentlichen Teilen der Intransparenz bankindividueller Risiken und Stress-Stabilität geschuldet war. Zudem lassen die Ergebnisse von Studien den (logischen) Schluss zu, dass die Ergebnisse bankindividueller Stresstests eine wesentliche entscheidungsrelevante Information am Markt darstellen. Die Frage, welcher „Informations-Korb“ künftig offenzulegen ist, ist allerdings noch nicht beantwortet. Tatsächlich stehen wir hier erst am Anfang: Offen ist insbesondere die Eingangsfrage nach der Rolle bzw. Verzahnung informationsrelevanter bankaufsichtlicher und rechnungslegungsspezifischer Daten. Hierzu werden erste Schlachten bereits ausgetragen. So fordert das Bankenaufsichtsrecht beispielsweise zusätzliche Abschläge (AVA) vom handelsrechtlichen Fair-Value. Für den IASB ist dies ein Tritt in die Weichteile, bildet die FV-Konzeption doch das Kernstück entscheidungsrelevanter Information im Sinne des Rechnungslegungs-Boards.

Die skizzierten Enwicklungen lassen sich wie folgt einordnen: Europa hat mit den eingangs genannten und ab dem 1.1.2015 implementierten Bausteinen – der Single Resolution Mechanism wird als letzter Baustein aktiv geschalten – unabdingbare Voraussetzungen für eine Stärkung der Finanzstabilität geschaffen. Versteht man diese Voraussetzungen als Fundament des neuen europäischen Finanzsystems, dann handelt es sich bei der AQR um die Außenmauern. Diese werden parallel zur Implementierung des Single Supervisory Mechanism (provisorisch) hochgezogen. Der Aufbau der tragenden Innenwände sowie die Innenarchitektur, also einer leistungsfähigen Prognose- und Stresstestinfrastruktur ist sowohl auf Ebene der europäischen Aufsicht als auch auf Ebene einzelner Banken noch zu leisten. Erst wenn diese Voraussetzungen vorliegen, kann eine adäquate Markttransparenz, sozusagen als Dach und als wesentlicher weiterer Baustein, abschließend implementiert werden.

Wie mit den Ergebnissen des Bilanz- und Kapitalstresstests umzugehen ist, benötigt noch die Abstimmung der europäischen Finanzminister. Voraussichtlich im Herbst diesen Jahres soll eine entsprechende Erklärung unterzeichnet werden.

Potenzielle Handlungsoptionen hatten wir bereits skizziert. Jetzt wird eine Weitere ins Spiel gebracht: die enge Integration des europäischen Finanzsektors. Dagegen wirken die bislang diskutierten Ansätze so unaufgeregt wie britischer „Afternoon Tea“.

Die supra-nationale Integration bedeutet, im Sprachduktus eines ranghohen EU-Vertreters, nichts anderes als “Kapital schnell von Norden nach Süden zu schieben“, konkret in der „Übernahme von spanischen oder italienischen Banken durch etwa deutsche oder österreichische Institute“. Wie realistisch dieses Szenario ist, liegt wohl entscheidend an der Zeitschiene, die einer solchen Integration zugrunde gelegt wird. Einen ersten Vorstoß plant die EU im Herbst: Derartige internationale Banken-Zusammenschlüsse sollen angesprochen werden, wenn die Finanzminister die oben genannte Erklärung diskutieren.

Der Zündstoff lieg in den Voraussetzungen einer solchen Integration. Die Wesentlichste ist sicherlich, dass diese erst dann realistisch erscheint, wenn die Stabilisierung nationaler Finanzsysteme erreicht ist. Dazu zählt, dass nationale Banken ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufweisen, was aktuell auch bei mitteleuropäischen Banken nicht durchgehend der Fall ist.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie schwerwiegend der Ausgang des Gefechts von Schäuble und Asmussen ist: Es geht nicht nur darum, wer formal die finale Entscheidung zur Abwicklung von Banken trifft: die EU oder der (betroffene) Mitgliedstaat. Materiell geht es um die Frage, ob die EU die Macht bekommt, das europäische Finanzsystem über nationale Interessen hinweg neu zu gestalten. Besondere Brisanz hat dabei aus deutscher Sicht die bekannt kritische Haltung der EU gegenüber dem 3-Säulensystem Privat-, Genossenschaftlicher und Öffentlicher Banken.

Bereits heute sind Mechanismen zur Abwicklung betroffener Banken aktiv bzw. in Arbeit, um weitreichende strukturelle Veränderungen vorzunehmen. Beispielsweise können fortzuführende Geschäftstätigkeiten in eine sogenannte Brückenbank übertragen werden. Neben den bisherigen Eigentümern ist es dann – unabhängig von der bisherigen Rechtsform – auch weiteren Eigentümer möglich einzusteigen. Wer auch immer das Gefecht für sich entscheidet, die EU oder die Mitgliedstaaten. Die Zukunft des europäischen Finanzsystems und damit auch des Wirtschafts- und Währungsraums wird entscheidend davon geprägt sein.

Laut BaFin und Bundesbank soll der Asset-Quality-Review  – auch Bilanztest genannt – bis Februar 2014 abgeschlossen sein. Im Anschluss ist ab Mai 2014 die Durchführung des Kapital-Stresstests geplant. Dieser Zeitplan gilt vorbehaltlich der im September geplanten Verabschiedung des Single Supervisory Mechanism (SSM) durch das Europäische Parlament. Zudem kann es aufgrund a) der Komplexität der Bilanz- und Stresstests sowie b) politischen Einflüssen zu Verzögerungen im Zeitplan kommen. Beispielsweise fordert Mario Draghi eine eindeutige Klärung, wer in welcher Form auf einen erkannten Kapitalbedarf reagiert, bevor die Test durchgeführt werden.

Unabhängig vom Zeitplan beeindruckt das Vorhaben an sich; es ist wohl die Komplexität der Sache und der hohe Einsatz der Beteiligten, der zur Mythenbildung beiträgt. Wir greifen drei zentrale Mythen heraus und beleuchten deren Hintergrund. Wie auch immer die Tests ausfallen. Die Durchführung wird einen hohen Aufwand verursachen.

Mythos 1: Auf Basis der Testergebnisse wird das europäische Bankensystem konsolidiert__Die Ergebnisse der Bilanz- und Stresstests werden in hohem Grade politisch motiviert sein. Auf der einen Seite hat die EZB ein grundlegendes Interesse daran strenge Tests durchzuführen, bevor Sie die Aufsichtskompetenz übernimmt: Je geringer der Konsolidierungseffekt für das europäische Finanzsystem aus dem Test ist, desto umfangreicher wird der Bedarf einer Fortführung der expansiven Geldpolitik sein, so Jon Peace (Analyst, Nomura Grou). Eine Fortführung genau dieser Politik liegt auf der anderen Seite aber im Interesse eines Großteils der einzelnen europäischen Staaten. Neben diesem politischen Kalkül ist unter anderem (noch) unklar, inwiefern einzelne Staaten auf bereits durchgeführte Bilanztests verweisen können. Beispielsweise ist die Prudent Regulation Authority (UK) zu dem Ergebnis gekommen, dass ausgerechnet die Lloyds Banking Group PLC und die Royal Bank of Scotland PLC keinen weiteren Kapitalbedarf haben; ein möglicher zusätzlicher Kapitalbedarf würde durch die Thesaurierung von Gewinnen und den Verkauf von Assets nivelliert werden.

Mythos 2: Die Commerzbank wird die Tests bestehen__Erste Spekulationen zur (gestressten) Kapitalausstattung der Commerzbank kursieren bereits. Demnach kommen Analysten auf Basis des Halbjahres-Finanzberichts zu dem Schluss, dass beide Tests mit hoher Wahrscheinlichkeit bestanden werden. Diese Aussage können wir Stand heute argumentativ nicht nachvollziehen. Wir sehen – wie im Beitrag vom 23.6.2013 aufgezeigt – die (wesentliche) Verdoppelung der Risikovorsorge im zweiten Quartal 2013 auf 547 Mio. EUR gegenüber Q1-Werten in Höhe von 267 Mio. EUR, als Indiz dafür, dass die Commerzbank mit Blick auf die kommenden Tests gezielt Maßnahmen ergreift und bisherige Klassifizierungen und Bewertungen von Assets hinterfragt. Dies geschieht sowohl im Kern- als auch im Abbau-Geschäft.

Mythos 3: Die Vereinheitlichung nationaler Regularien ist bereits soweit fortgeschritten, dass ein Vergleich der Ergebnisse möglich ist__Noch ist dies nicht der Fall. Non-Performing-Loans werden nach wie vor unterschiedlich definiert. Auch in Bezug auf die Regeln zur Risikovorsorge besteht noch Handlungsbedarf. So weist Giovanni Sabatini (Head of the Italian Bankers Association) mit Blick auf Spanien darauf hin, dass die italienischen Vorgaben zur Wertberichtigung nach wie vor wesentlich strenger sind: Nach italienischer Berechnung würde der Anteil wertberichtigter Loans an den gesamten Loans spanischer Banken von 8,5% auf 26% steigen. Auch die ESMA betont in einem Statement vom Dezember 2012 die Notwendigkeit einer Angleichung bzw. europaweit konsistenten Anwendung der Wertberichtigungsregeln nach IAS/IFRS. Dass der Spielraum für Ermessensentscheidungen mit der geplanten Einführung der IFRS9 steigen wird, sei hier nur am Rande erwähnt. Zu unserer Einschätzung dieses Teilgebiets der Rechnungslegung siehe auch den Artikel zur Kredit-Risikovorsorge.

Wir werden die weiteren Entwicklungen zum Bilanz- und Stresstest verfolgen. Stand heute wird vor allem deutlich, wie hoch der Einsatz der beteiligten Banken, Aufsichtsbehörden und Staaten ist, und wie sehr die Ausgestaltung der Tests vom politischen Kalkül abhängt. Der Auszug aus einer Rede von Andrea Enria (Chairperson EBA) gibt abschließend Aufschluss über die Bedeutung, die dem Bilanztest von Seiten der Aufsicht beigemessen wird: „We have not seen the same scale of aggressive writedowns and disposal of assets at deep discounts that have characterised other jurisdictions. Provisioning levels and risk weighted assets have not been reflecting the deterioration in the macroeconomic outlook and in the quality of bank assets. There is a raising concern that loan forbearance could disguise inadequate loss recognition. This is adversely affecting the market expectations for a recovery in bank profits and contributes to bank shares being still traded at a significant discount with respect to book values. Asset quality reviews have been conducted in a number of European countries, contributing to restoring market confidence in the effective cleaning of bank balance sheets. The EBA is empowering supervisors with the proper tools to assess the level of both non-performing exposures and forbearance activities on a comparable basis, developing truly harmonised definitions to be applied across the EU. An in-depth balance sheet review will have to accompany the handing over of supervisory responsibilities from the national to the European level. This represents a unique opportunity to complete the process, with an EU-wide asset quality review.“

Die Entscheidung des deutschen Verfassungsgerichts über – beziehungsweise möglicherweise gegen – den Aufkauf von Staatsanleihen (OMT) der EZB hat enorme Konsequenzen. Sowohl für die Glaubwürdigkeit der EZB als auch für die weitere Entwicklung der europäischen Finanzkrise. Dabei kann die Interessenlage kaum vielschichtiger sein. Sie reicht von der Frage einer unbegrenzten Haftung deutscher Steuerzahler bis zu der Frage, inwiefern die EZB überhaupt dem Grundgesetz untersteht. Zwischen diesen beiden Extremen wird viel Politik betrieben.

Gut ist, dass die Märkte die juristische Aufarbeitung der spektakulären Rettungsaktion der EZB entspannt aufnehmen. Im Mai 2010 war die Situation anderst. Nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten hat die EZB das OMT-Anleihekaufprogramm beschlossen, das im Kern der aktuellen Verhandlungen steht. Mit dem möglichen Aufkauf von Staatsanleihen gibt die EZB implizit eine Garantie gegen den Ausfall bzw. die Insolvenz von Staaten. Dass der Markt die aktuelle Verhandlung entspannt aufnimmt, mag vor allem daran liegen, dass eine Umkehr moralisch nicht vertretbar ist. Zu groß ist der soziale Druck, verbunden mit einer Eskalation der Banken- und Staatenkrise.

Von der Politik zu den Fakten: Der Anleihenkauf ist an einen Hilfsantrag des betroffenen Landes beim Rettungsfonds ESM und damit an politische Auflagen geknüpft. Mit der Ankündigung des OMT-Programms wurde erreicht, dass sich die Spreads zwischen Ländern mit guter und schlechter Bonität mit der Ankündigung des Programms wesentlich annähern. Staaten in Notlage gibt dies die Möglichkeit einer günstigeren Refinanzierung am Kapitalmarkt. Die finanzielle Entlastung soll den Staaten – verbunden mit einem Spar- und Reformprogramm – helfen, den Haushalt zu konsolidieren.

Das ist der zugegeben mühsame Weg aus der Krise, den die EU eingeschlagen hat. Mit dem OMT-Programm bietet die EZB den Staaten die Möglichkeit Zeit zu gewinnen. Zeit, um dringende und überfällige Reformen der europäischen Finanzsysteme auf den Weg zu bringen. Hier ist die Politik gefordert. Es ist richtig, wenn Kritiker wie Hans Werner Sinn, Präsident des Münchner IFO-Instituts, mahnen, dass die mit dem OMT-Programm erkauften niedrigen Zinsen die reale Situation ausfallgefährdeter Staaten beschönigen.

Aber das OMT-Programm ist nur ein Baustein im komplexen Gefüge, das zur Lösung der europäischen Finanzkrise notwendig ist. Wichtig ist jetzt der Blick auf die notwendigen Reformen, diese konsequent zu prüfen und umzusetzen. Dieser Schritt bildet die Voraussetzung, um eine EXIT-Strategie aus dem OMT-Programm entwickeln zu können. Der EZB allein ist es in der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage – trotz aller Unabhängigkeit – nicht möglich diesen Schritt zu gehen. Der Ball liegt jetzt im Feld der Politik. Allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass das OMT-Programm neben einer Entlastung der staatlichen Refinanzierung auch den Druck auf die politischen Entscheidungsträger verringert hat. Dietmar Hornung von der Ratingagentur Moody’s weist beispielsweise auf den “nur langsamen Fortschritt in Richtung Bankenunion” hin: Während der ESM Banken direkt kapitalisieren sollte, wird diese Möglichkeit inzwischen nur für die Zukunft diskutiert.

Eingangserklärung_Hauptsacheverfahren ESM-EZB

Der nächste EU-weite Bankenstresstest ist für das 1. Halbjahr 2014 geplant. Ursprünglich war die zweite Jahreshälfte 2013 angedacht. Die Verschiebung zielt darauf ab, den Zeitplan zu berücksichtigen, bis eine europäische Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB und ein finales Sanierungs- und Abwicklungsinstrumentarium von Banken vorliegt. Eine weitere zeitliche Abhängigkeit besteht zur Prüfung der Qualität von Bankaktiva, die im Vorfeld des Stresstest durchgeführt wird, um die Ergebnisse aus dem Stresstest zwischen den Banken vergleichbar zu machen. Die Grundlage für den Test bilden die Eigenkapitalvorschriften nach dem Regelwerk Basel III. Wie streng die Anforderungen gestaltet werden ist nicht bekannt. Es gibt Stimmen, die sich für eine Verschärfung des Tests aussprechen. Unterkapitalisierte Banken oder Banken mit einem schlechten Kreditportfolio wären dann zu Konsolidierungsschritten gezwungen; resultierende Kosten fallen (noch) nicht unter einen europäischen Haftungsschirm.

Entscheidend für das Abschneiden der Banken sind die Anforderungen, die dem Bankenstresstest zugrunde liegen. Zwar haben die meisten Banken die vergangenen Monate genutzt, um ihre  Kapitalquote zu verbessern. Beispielsweise irische Banken sind aber alles andere als krisenfest, wie eine Studie der Ratingagentur Fitch zeigt. Zudem resultiert die Verbesserung nicht nur aus dem Abbau von Risikopositionen und dem Aufbau von stabilem Eigenkapital. Zusätzlich nutzen die Banken Gestaltungsspielräume wie beispielsweise die Anpassung von Risikomodellen oder eine konservative Wertberichtigung. So hinterfragt die Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger kritisch, ob die erzielten Margen die Risikokosten im Geschäft mit Mittelstandskrediten tragen. Weitere Experten wie der Vizechef der amerikanischen Einlagensicherungsbehörde FDIC, Thomas Hoenig, weisen darauf hin, dass auch die Deutsche Bank „dramatisch unterkapitalisiert“ sei.

Wie der Stresstest ausfällt, bleibt abzuwarten. Dass einzelne Banken aber nach wie vor anfällig für Krisenszenarien sind, wird im Ergebnis sicherlich deutlich werden. Das Bild einer heilen europäischen Bankenwelt entspricht nicht der Realität und würde die Glaubwürdigkeit der Bankenaufsicht in Frage stellen.