Archive

Tag Archives: NPL

Non-Performing-Loans (NPL) werden unterschiedlich definiert. Da es sich dabei um eine in der aufsichtlichen Steuerung des Bankensystems wesentliche Größe handelt, ist das ein Problem. In Bezug auf Fragen, bspw. zur operativen Steuerung des Kreditrisikos im Rahmen der individuellen Gesamtbanksteuerung, zu Maßnahmen auf Basis der in Q4/2013 kommenden Asset-Quality-Review (AQR) oder zur Fortsetzung der Niedrigzinspolitik wird das Problem zum Risiko.

Aber wie so oft ist zu differenzieren: Grundsätzlich – auf Ebene der einzelnen Bank – ist die Definition in engem Zusammenhang mit den Kreditprozessen vorzunehmen. Dabei ist es unbestritten, dass auf übergeordneter Ebene eine einheitliche Definition etabliert werden sollte. Problematisch ist allerdings, dass der von der EBA im Konsultationspapier vorgeschlagene Ansatz nicht nur von bilanzrechtlichen, sondern teilweise auch von den bekannten aufsichtsrechtlichen Definitionen und den Vorgaben der CRR abweicht.

Blicken wir zurück: Bereits im März 2013 hat die EBA ein Konsultationspapier veröffentlicht. Ziel ist es, die Definitionen von Performing- und Non-Performing-Loans EU-weit zu vereinheitlichen. Der finale Standard wird noch in Q3/2013 erwartet. Damit – so die politische Meinung – würde ein wesentlicher Baustein konkretisiert, um den Single-Supervisory-Mechanism (SSM) zu operationalisieren. Wir sehen dies kritisch und schließen uns aufgrund der genannten Risiken der Stellungnahme des BSG zum Konsultationspapier der EBA an. Folgend ein Auszug aus der Stellungnahme, der die offenen Fragestellungen beispielhaft verdeutlicht:

“The definitions in the CRR might be different (notion of unlikeliness to pay) from the one in the accounting standards (under IAS 39 an financial asset or a group of financial assets are considered as incurred if there is a loss event (events occurring after initial recognition) which has an impact on the estimated future cash flows of the instrument (cf IAS 39.59). However, EBA proposes a new definition with some rules, without clearly defining a principle nor the aims pursued through the rules introduced. The introduction of these new rules in the definition raises some operational complexity and they are not aligned with the European regulation. As an example, entities current thresholds are between 90 and 180 days for considering an exposure as in default. We understand the aim of common thresholds of 90 days which seems conservative, but Article 174 (1) b) ensures the option for the competent authorities that in case of IRB banks they could replace the 90 days by 180 days for exposures secured by residential or SME commercial real estate in the retail exposure class, as well as exposures to public sector entities (PSEs). In order to do so, we think it is important to refer to ESMA Public Statement – Treatment of Forbearance Practices in IFRS Financial Statements of Financial Institutions (ESMA 2012/853) published on December 20th 2012 that defines forbearance as follows: “forbearance measures occur in situations in which the borrower is considered to be unable to meet the terms and conditions of the contract due to financial difficulties. Based on these difficulties, the issuer decides to modify the terms and conditions of the contract to allow the borrower sufficient ability to service the debt or refinance the contract, either totally or partially.” ESMA completes the definition with examples, which illustrate the definition in a more comprehensive way. Furthermore, ESMA is clear that a forbearance (restructuring for financial difficulty) does not systematically give rise to an impairment loss.

Das Thema “einheitliche Definitionen” bildet unseres Erachtens den Kern europäischer Harmonisierungsbestrebungen. Den aktuellen Ansatz der EBA werten wir als kontraproduktiv.  Da die Konsultationsfrist im Juni abgelaufen war, raten wir den Banken dringend, die finale Version des EBA-Standards kritisch zu prüfen und ggf. konzertiert eine Änderung einzufordern. Bis ein harmonisierter finaler EBA-Standard vorliegt, empfehlen wir – mit Blick auf die AQR – eine Anlehnung an die Arbeiten der ESMA vom Dezember 2012 zu suchen.

Zu welchem Ergebnis die Asset-Quality-Review (AQR) und der anschließende Stresstest kommen, lässt sich aufgrund der noch in Abstimmung befindlichen Modell-Annahmen, bspw. makro-ökonomische Entwicklungen, sowie der noch nicht final definierten Methodik nur schwer abschätzen.

Trotz dieser noch offenen Fragestellungen werden bereits erste Gebote zur Kapitallücke abgegeben:

Die Deutsche Bank beziffert den zusätzlichen Kapitalbedarf der betroffenen europäischen Banken auf 16 Mrd. EUR. Für die Commerzbank wird die Kapitallücke aus der Comprehensive Assessment auf 2,6 Mrd. EUR beziffert.

Analysten der Beratungsgesellschaft Ernst&Young antizipieren eine Kürzung der Bilanzen europäischer Banken um (kumuliert) 1,5 Bill. EUR für die kommenden Jahre. Ausgangspunkt dieser Schätzung ist der Vergleich des europäischen mit dem amerikanischen Bankensystem: Die Assets amerikanischer Banken wurden in 2009/2010 um 10% reduziert. In der Eurozone wird von einer Reduktion um bislang 5% ausgegangen; die Finanzkrise hat sich – politisch gewollt – weniger direkt auf die Bankenbilanzen ausgewirkt; wir haben dies bereits kritisch gewertet.

Losgelöst, aber durchaus im Einklang mit diesen Daten und mit Blick auf die AQR haben einzelne Banken bereits angekündigt, dass der Deleveraging-Prozess länger als geplant fortgesetzt wird. Für diese Entwicklung spricht auch das zusätzlich benötigte Kapital, um die Anforderungen der Regelwerke CRR/CRDIV zu erfüllen; Schätzungen beziffern einen Bedarf europäischer Banken in Höhe von 44 Mrd. EUR.

Das notwendige Instrumentarium zur Neuordnung des europäischen Bankensystems ist in Arbeit. In welchem Ausmaß die Banken dann tatsächlich betroffen sind, wird neben dem politischen Willen und der operativen Stärke der EZB-Aufsicht wesentlich auch von den künftigen makroökonomischen Rahmenbedingungen abhängen. In Bezug auf die oben angeführten, noch in Arbeit befindlichen Modell-Annahmen der AQR lassen offizielle Daten, die der EBA vorliegen, rückblickend den Schluss zu, dass sich die Qualität der Kredit-Portfolien im Jahr 2012 und in HJ1/2013 weiter verschlechtert hat. Demnach stieg der Anteil ausfallgefährdeter Kredite am gesamten Kreditvolumen von 6 Prozent im Juni 2012 auf 6,3 Prozent im Dezember desselben Jahres, so die EBA im Juli 2013. Kredite gelten als ausfallgefährdet wenn der Kreditnehmer mehr als 90 Tage in Verzug ist; es handelt sich dabei um die gewichtigste Teilmenge der Non-Performing-Loans, wie von der EZB definiert. Banken aus Peripherie-Ländern wie Spanien oder Italien werden im Vergleich zum Durchschnitt der Eurozone eine höhere Last aus Non-Performing-Loans (NPL) zu tragen haben. Für die Eurozone wird erwartet, dass der Anteil der NPL an den ausgegebenen Krediten zunächst weiter ansteigt und im Jahr 2014 unter die Marke von 7,5% fällt. Für das Jahr 2017 erwartet Ernst&Young eine Quote von 4,3%; das liegt immer noch über dem Niveau vor der Finanzkrise.

——————————————————————————————————–

Definition Non-Performing-Loans (EZB): A loan is only deemed non-performing if it is in default or close to default. More precisely, a loan is non-performing when payments of interest and principal are past due by 90 days or more, in accordance with the Basel II definition of default, or when there are good reasons to doubt that debt payments will be made in full. 
The requirement that the asset pool backing the ABS cannot include non-performing loans applies explicitly at the time of issuance of the ABS, not throughout its entire lifetime. However, non-performing loans may not be used to replace performing loans during the replenishment period, if any. In turn, any arrears in the pool of underlying assets after issuance of the ABS do not necessarily make the ABS ineligible.

Die von den Aufsichtsbehörden geplante Comprehensive Assessment setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Einem Bilanztest inkl. einer Asset Quality Review sowie einem darauf aufbauenden Stresstest. In Frage steht, nach welcher Methode die Analyse vorgenommen wird.

Die Methodik des Bilanztests 2013/2014 ist aktuell noch in Abstimmung zwischen der Aufsicht, Wirtschaftsprüfern und den beteiligten Banken. Bekannt ist aber bereits eine mögliche Ausprägung des Tests, da in der Vergangenheit bereits Comprehensive Assessments durchgeführt wurden. Ein prominentes Beispiel ist die im Jahr 2012 von dem Beratungsunternehmen Oliver Wymann (OW) im Auftrag der Spanischen Notenbank durchgeführten Analyse. Wir nehmen keine Beurteilung dieses Tests oder der zugrunde liegenden Annahmen vor. Vielmehr nutzen wir diese Daten, um eine der Methoden, nach der auch der kommende EU-weite Bilanztests 2013/2014 durchgeführt werden könnte, zu skizzieren.

Im ersten Teil des Comprehensive Assessments zielt die Spanische Notenbank auf die Neubewertung von Assets ausgewählter Portfolien. Im Zuge dieser Neubewertung werden bankspezifische Einschätzungen korrigiert. Es wird eine standardisierte Schätzung künftiger Verluste vorgenommen; dabei werden drei Module unterschieden:

  1. Abwicklungsfälle aufgrund ausgefallener Schuldner
  2. Laufende Engagements (performing loans)
  3. Notleidende Kredite (non-performing loans: wertberichtigte Kredite und in Zahlungsverzug geratene Kredite; Definition BaFin)

Um die (standardisierten) künftigen Verluste zu ermitteln, werden Änderungen bei den drei Komponenten PD (probability of default), LGD (loss given default) und EaD (exposure at default) vorgenommen. Die zugehörigen Bearbeitungsschritte gelten sowohl für laufende Engagements wie auch für notleidende Kredite. Bei Letzteren wurde in Bezug auf eine mögliche Gesundung zusätzlich konservativere Annahmen zugrunde gelegt, als von den Banken ursprünglich angenommen.

Im Folgenden werden die Bearbeitungsschritte für das Modul laufende Engagements skizziert:

Standardisierung der PD: Für jedes der sechs analysierten Portfolien (corporates, retail mortgages ect.) wurde ein Ratingmodell entworfen, um die bankspezifischen Daten einzuwerten. Um gleichzeitig bankspezifische Besonderheiten bzw. Risikofaktoren zu berücksichtigen, werden die PD’s entsprechend angepasst. Grundlage hierfür sind Daten, die von Wirtschaftsprüfern bereitgestellt werden. In einem weiteren Bearbeitungsschritt werden die PD’s auf ein standardisiertes makroökonomisches Szenario in der Ausprägung “base case” und “adverse scenario” gemappt.

Standardisierung der LGD: Auf Basis der makroökonomischen Szenarien bzw. der daraus abgeleiteten PD’s wird der LGD adjustiert; im Fall spanischer Banken stieg der LGD.

Standardisierung des EaD: Bei der Ermittlung des EaD werden unter anderem Tilgungsprofile, vorzeitige Rückzahlungen sowie mögliche neue Kreditengagements berücksichtigt.

Ausgehend von den Ergebnissen des Bilanztests ermittelt die Spanische Notenbank in einem zweiten Schritt, ob einzelne Banken eine Kapitallücke aufweisen. Hierzu werden die künftigen Verluste der künftigen Verlustabsorptionsmasse (u.a. Eigenkapital) gegenübergestellt.

Mit Blick auf das EU-weite Comprehensive Assessment wird deutlich: Der Umfang in dem Banken sensible Daten zur Verfügung stellen müssen, ist enorm. Diese Daten sind zu validieren, zu verarbeiten und auszuwerten. Um eine adäquate Qualität der Analysen sicherzustellen, stehen die Beteiligten, insbesondere die EU-Aufsichtsbehörden, vor weiteren Herausforderungen: Zum Einen gilt es eine Vielzahl von Detailfragen zu klären, bspw. zu der Methode, nach der ausgehend von einer Stichprobe die Bewertung eines gesamten Portfolios vorgenommen werden soll. Zum Anderen sind EU-weit unterschiedliche Definitionen von Begriffen wie non-performing loans ebenso zu berücksichtigen wie eine national unterschiedliche Abschreibungspraxis in Auslegung des IAS 39.

Die Diskussion möglicher Konsequenzen aus festgestellten Kapitallücken ist verfrüht. Interessant sind aber die alternativen Lösungsansätze: Neben zusätzlichem Kapital oder Garantien zählt hierzu beispielsweise auch die Verbriefung von Assets. Am wahrscheinlichsten erscheint uns die gezielte Auslagerung kritischer Assets in eine Bad Bank, verbunden mit einer Restrukturierung bzw. ggf. Abwicklung der betroffenen Bank. Wir werden dieses Thema unter dem Stichwort “Sanierungsplan” aufgreifen; aktuell arbeiten die 39 von der EBA aufgeforderten EU-Banken daran ihren nationalen Ausichtsbehörden entsprechende Pläne bis zum Jahresende 2013 vorlegen zu können. 

————————————————————————————————

Auszug aus dem Uniform Bank Performance Report (UBPR; Federal Financial Institutions Examination Council): Expert Model for Assessing Asset Quality 08-2013_AQR_Expert Model_UBPR

Asset quality is a critical part of your financial analysis of an institution because it directly impacts the evaluation of other components such as capital, earnings, and liquidity.  Asset quality often weighs heavily on conclusions regarding management and a bank’s overall condition.

This expert model provides guidance for completing two analyses for asset quality:

  • An off-site analysis of UBPR data, which involves three steps:
  1. Review the balance sheet structure
  2. Identify the types and levels of off-balance sheet items
  3. Analyze the levels and trends of key ratios
  • An on-site analysis, in conjunction with the examination team, to follow up on off-site concerns and review the bank’s assets for credit risk.  This includes analyzing three additional ratios that are computed once the asset review team determines adverse classifications. 

Als Reaktion auf die massiven Verluste der Banken in den Jahren 2008 und 2009 haben die Standardsetter IASB und FASB von den G20-Staaten im Jahr 2009 den Auftrag erhalten, die Bilanzierung der (Kredit-)Risikovorsorge neu zu gestalten. Bis zum 5. Juli 2013 konnte der Standardentwurf IFRS 9 Impairment kommentiert werden. Demnach wird die Risikovorsorge künftig auf Basis erwarteter Kreditverluste, dem expected credit loss model folgend, berechnet. Weiterführende Informationen zum Standardentwurf ED/2013/3 finden Sie anbei.

Folgend werden ausgewählte Thesen rund um die Risikovorsorge diskutiert. Darauf aufbauend schließt der Beitrag mit Empfehlungen zur Konzeption der Risikovorsorge.

Mehr Transparenz zu den Ausfallrisiken ist gut für die Finanzstabilität: Mit der frühzeitigen Erfassung potenzieller Verluste soll die Transparenz von Ausfallrisiken aus dem Kreditgeschäft erhöht werden, so Hans Hoogervorst, Chairman des IASB. Zweifellos ist die ausreichend detaillierte Transparenz der tatsächlichen Vermögens-, Finanz- und Ertragslage wichtig. Beispielsweise erlauben Detailangaben zu Konzentrationsrisiken in Branchen oder geographischen Regionen den Investoren eine realistischere Einschätzung der Finanz- und Ertragskraft der Bank. Das grundlegende Problem im Zuge der Bankenkrise war aber nicht die mangelnde Transparenz sondern a) der diskretionäre Spielraum bei der Bildung der Risikovorsorge, b) der massive Umfang des Wertberichtigungsbedarfs im Jahr 2009 in Relation zum Eigenkapital sowie c) die Prozyklität der Regelwerke.

Das expected credit loss model erhöht die Transparenz: In der bilanztheoretischen Argumentation gilt die These, dass die (zeitnahe) Fair-Value-Bewertung geglätteten Bilanzgrößen in Bezug auf den Informationsgehalt überlegen ist. Insofern liegt das expected credit loss model mit der frühzeitigen Einbuchung erwarteter Kreditverluste im Trend. Wir geben allerdings zu bedenken, dass diese These sich relativiert, je höher der diskretionäre Spielraum des Bilanzierenden bei der Bewertung ist: Entscheidungsrelevante Information kann nicht durch den (standardisierten) Ausweis und die Erläuterung weiterer Details produziert werden, solange der Bilanzierende einen undurchschaubaren diskretionären Gestaltungsspielraum hat. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Level-III-Bewertung nach IAS 39.  Mit dem expected credit loss model wird der bilanzpolitische Spielraum bei der Einstellung der Risikovorsorge steigen, da trennscharfe Kriterien als Maßgabe für die Einstellung einer Risikovorsorge, entweder gewichtet mit der 12-Monats-Ausfallwahrscheinlichkeit oder mit dem über die Gesamtlaufzeit erwarteten Kreditverlust, nicht operationalisierbar sind.

Der negative Einfluss, den ein punktueller oder längerfristiger massiver Wertberichtigungsbedarf auf das Eigenkapital nimmt, kann durch eine frühzeitige Erfassung potenzieller Verluste abgefangen werden: In gewissem Maße mag diese These zutreffen. Maßgeblich ist allerdings das Ausmaß der Krise. Beispielsweise hat die Commerzbank im Jahr 2007 mit 479 Mio. EUR für eingetretene Verluste vorgesorgt. Per 31.12.2009 ist die Risikovorsorge dann auf 4,2 Mrd. EUR explodiert. Das sind 21% des bilanziellen Eigenkapitals, Stand 31.12.2008. Um die drohende Insolvenz abzuwenden, hat (hauptsächlich) der SoFFin im Jahr 2009 in Stille Einlagen + 9 Mrd. EUR sowie in das gezeichnete Kapital +1,2 Mrd. investiert. Analysen zeigen, dass Kreditausfälle im Wesentlichen durch die makroökonomische Entwicklung determiniert werden. Wie relativ die Bildung einer bilanziellen Vorsorge bei einer längeren Schrumpfung der Wirtschaft zu werten ist, zeigt das Beispiel spanischer Banken. Diese wenden bei der Risikovorsorge für Immobilienkredite eigene, nicht die IAS/IFRS-Regeln an und erreichen damit eine Glättung von Kreditverlusten sowohl ex ante als auch ex post, nach dem Eintritt der Verluste. Auf diese Weise hatten spanische Banken im Jahr 2006 (ex ante) ein Sicherheitspolster von mehr als dem Doppelten der damals ausgewiesenen Risikovorsorge aufgebaut. Aber dieses Polster wurde in den folgenden Jahren nicht nur aufgebraucht. Analysen der spanischen Notenbank zufolge wurden bis 2012 nur 50% der geschätzt 176 Mrd. EUR Wertberichtigungsbedarf aus problematischen Immobilienkrediten als Risikovorsorge eingestellt.

Mit dem expected credit loss model wird der prozyklische Einfluss von Kreditverlusten auf aufsichtsrechtliche Steuerungsgrößen reduziert: Ausgehend vom Ergebnis der vorherigen These interessiert hier das Zusammenspiel steuerungsrelevanter Vorgaben in Zeiten in denen das Eigenkapital gestresst ist. Wie im Zuge der Bankenkrise 2008/2009 deutlich wurde, erhöht die prozyklische Wirkung unterschiedlicher Regelwerke im Krisenfall das Insolvenzrisiko. Damals hat sich die Stimmung an den Kreditmärkten innerhalb kurzer Zeit wesentlich verschlechtert. In Konsequenz waren die Banken nach MaRisk und Basel II/SolvV gefordert, vermehrt Eigenkapital für erwartete und unerwartete Verluste vorzuhalten. Gleichzeitig ist das verfügbare Eigenkapital aufgrund massiver Verluste – unter anderem wegen einer sprunghaft steigenden Risikovorsorge – weggeschmolzen. Die mögliche Gegenmaßnahme Assets am Markt zu verkaufen, war aufgrund der niedrigen Preise sowie der Marktenge nicht zeitnah umsetzbar. Um diesen Zirkelschluss aufzulösen ohne die insolventen Banken abzuwickeln, wurden und werden die europäischen Banken mit Eigenkapitaleinlagen und Garantien gestützt. Als möglichen Ansatz der Problemoptimierung empfehlen wir eine integrierte Steuerung ausgewählter aufsichtsrechtlicher und bilanzieller Größen durch eine europäische Institution. Als maßgebliche Größe sehen wir die Gewinn- und Kapitalrücklagen einer Bank in Verbindung mit der Ertragskraft, da diese Größe den Nukleus der Banksteuerung bildet. Wir kommen hierauf zurück.

Hinter den Maßnahmen und Regeln des IASB und des Basler Ausschusses steht eine abgestimmte Steuerungslogik, die determiniert, welche bankspezifische Steuerungsgröße durch welche Vorgabe gesteuert werden soll:  Eine solche Abstimmung fehlt bis heute. Aber die damit verbundene Problematik ist bekannt. Auf dem Eurobörsentag im Juli 2013 wurde denn auch eine zusammenführende Auswirkungsstudie der Vorgaben empfohlen. Bezogen auf die Risikovorsorge gibt es mehrere regulatorische Initiativen, die darauf abzielen, die Stabilität der Banken zu erhöhen. Sicherlich den maßgeblichsten Einfluss hat die Forderung des Basler Ausschusses nach strengeren Eigenkapitalvorschriften. Dieser Zweig der Regulatorik zielt darauf ab, die letztlich entscheidende Engpassressource “Eigenkapital” bzw. die Absorptionsfähigkeit unerwarteter Verluste zu erhöhen. Zudem zielt der antizyklische Kapitalpuffer darauf ab, die möglichen prozyklischen Wirkungen der bankaufsichtlichen Eigenkapitalanforderungen abzumildern. Die normgebenden Institutionen, hier das IASB und der Baseler Ausschuss, gehen die Problematik also von zwei Seiten an. Dagegen kann nichts eingewendet werden. Es ist aber an der Zeit kritisch zu prüfen, ob die im Jahr 2009 unter Druck von den G20-Staaten an die normgebenden Institutionen vergebenen Aufträge zieladäquat verzahnt sind, oder ob nicht, wie im Fall des expected credit loss Models, offensichtliche Nachteile durch geeignetere Maßnahmen aufgefangen werden können. Das konzeptionelle Entwurfsstadium des ED/2013/3 bietet dazu beste Ansatzmöglichkeiten.

Die Diskussion der Thesen zeigt, dass das expected credit loss model des IASB durchaus geeignet ist einen Puffer an Risikovorsorge aufzubauen, der in schlechten Zeiten genutzt werden kann. Damit wird eine Entlastung des Eigenkapitals bei einer Verschlechterung der Realwirtschaft erreicht. Allerdings wird die Wirkung dieses antizyklischen Momentums wesentlich vom Ausmaß der realwirtschaftlichen Krise determiniert. Zudem korreliert die erhöhte Risikovorsorge negativ mit dem regulatorischen und bilanziellen Eigenkapital. Die Mehrzahl der Banken geht von einem bis zu 10% erhöhten Bedarf aufgrund der IFRS-9-Regeln aus. 65% davon werden den Impairmentregeln zugeschrieben. Kritisch merken wir insbesondere an, dass eine adäquate Kapitalausstattung nicht durch die Rechnungslegung – hier sollte der Schwerpunkt auf objektivierten und gut interpretierbaren Daten liegen – sondern durch die Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses reguliert werden sollte. Dies umso mehr, als das expected credit loss model des IASB einen umfangreichen diskretionären Gestaltungsspielraum für den Bilanzierenden bietet. In Konsequenz leidet auch der Informationsgehalt der Größe “Eigenkapital”. Hier leistet das Modell des FASB insofern mehr, als dass keine 12-Monats-Gewichtung der erwarteten Kreditverluste, sondern ausschließlich die (abgezinste) Erfassung der über die gesamte Laufzeit erwarteten Verluste gefordert wird. In der Gesamtschau empfehlen wir die Vorzüge des incurred loss model zu nutzen und dieses Modell um eine aufsichtsrechtliche Steuerungsgröße zu ergänzen. In Frage kommen beispielsweise die Loan-Coverage-Ratio (Risikovorsorge/NPL) und die NPL-Ratio (NPL/Core-Tier-1). Zur makroökonomischen Steuerung kann die nationale Aufsicht Mindestgrößen in Abhängigkeit der konjunkturellen Entwicklung vorgeben. Dies würde – bezogen auf die Kreditrisiken – eine Feinsteuerung des antizyklischen Kapitalpuffers bzw. der in Krisen letztlich entscheidenden unerwarteten Verlusten erlauben. Dass dies notwendig ist, zeigt u.a. die Bandbreite von NPL/Total Loans: In Deutschland liegt die Quote im Jahr 2012 bei 3,0%., in Italien bei 11,7%. Die Gefahr von Regulierungsarbitrage stufen wir als gering ein, sofern eine europäische Institution die integrierte Steuerung von Eigenkapital- und Kreditexposure-Größen durchsetzt. Mit der Offenlegung der FinRep- und CoRep-Meldung liegen die benötigten Informationen ab Mitte 2014 vor.

Das Schließen von Kapitallücken ist seit dem Jahr 2010 eines der wesentlichen Steuerungsthemen der Banken. Im zweiten Quartal 2014 ist der nächste Bankenstresstest geplant. Was kann erwartet werden?

Beginnen wir mit einem Rückblick: Ende 2011 benötigen europäische Banken zusätzlich 114,7 Mrd. EUR um eine Eigenkapitalquote von 9% zu erreichen. Bis zum Bankenstresstest 2012 gelingt es 67 Banken diese Hürde zu schaffen. Vier Banken fehlen insgesamt 3,7 Mrd. EUR. Grundlage dieses Stresstests ist das Regelwerk Basel II.

Quelle: European Banking Authority (EBA); Dezember 2011

Quelle: European Banking Authority (EBA); Dezember 2011

Die Kapitallücke nach Basel III beläuft sich zum Stichtag 31. Dezember 2011 auf 199 Mrd. EUR, wie eine weitere Erhebung der EBA aufzeigt. Im Jahr 2014 wird nach diesen strengeren Regeln bzw. gemäß CRD IV/CRR getestet.

Was ist seit dem 31. Dezember 2011 geschehen?

Zunächst ist festzustellen, dass eine Neuordnung des europäischen Bankensystems durch die expansive Geldpolitik und weitere Stützungsmaßnahmen bislang hinausgezögert wird. Das ist bekannt. Ebenso auch die Tatsache, dass diese Maßnahmen im Kern auf dem Kalkül einer positiven realwirtschaftlichen Entwicklung basieren.

Dieses Kalkül ist in Europa – mit Ausnahme Deutschlands – nicht aufgegangen. Im Gegenteil: Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst&Young steigt das Volumen an faulen Krediten im Jahr 2013 („06-2013_Kapitallücke_EY_FS_Eurozone_Winter_2012-13“) um 80 Mrd. auf insgesamt 918 Mrd. EUR. Stark betroffen sind italienische und spanische Banken. Dort sind 2013 bis zu 10,2% bzw. 15,5% der an Privat- und Unternehmenskunden vergebenen Kredite ausfallgefährdet. Eine Neubewertung dieser Kredite– wie von der Spanischen Zentralbank gefordert – wird Abschreibungsbedarf aufdecken. Der resultierende Verlust mindert das nach CRD IV verfügbare Eigenkapital. Alternativ zur handelsrechtlichen Neubewertung wäre eine rein regulatorische Neubewertung der Risikopositionswerte möglich. Wie hoch die dadurch verursachte Kapitallücke sein wird, lässt sich heute noch nicht abschätzen. Die EZB führt hierzu im ersten Quartal 2014 eine sogenannte Asset Quality Review durch.

Aber auch ohne diese zusätzliche Belastung beläuft sich die Kapitallücke europäischer Banken auf 776 Mrd. EUR, wie das schweizer Analysehauses ICV (Independent Credit View) in einer Studie feststellt. Dieser Schätzung liegt ein insofern realitätsnaher Stresstest zugrunde, als einige Staatsanleihen mit einer höheren Risikogewichtung eingeflossen sind. Davon betroffen sind insbesondere jene Banken, die ihren Bestand an Staatsanleihen in den vergangenen Jahren ausgeweitet haben. Insgesamt verteilt sich der genannte Betrag auf 25 Banken aus Deutschland, Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich, Österreich, Dänemark, den Niederlanden, Polen und Irland.

Die genannten Daten zu faulen Krediten und Staatsanleihen zeigen beispielhaft, dass die Bilanzen europäischer Banken nach wie vor regulatorisch nicht erfasste Risiken aufweisen. Zudem besteht weiterhin eine hohe Abhängigkeit von Staaten und Banken. Will die EZB nicht an Glaubwürdigkeit verlieren, sind diese Defizite der Sanierung des europäischen Bankensektors aufzuzeigen. Aber der EZB-Direktor Jörg Asmussen äußert sich in Bezug auf den Stresstest diplomatisch: „Wir werden so streng wie möglich vorgehen.“ Genau darin liegt das Problem: Da weder die einzelnen Staaten noch die EU bis zum 2. Halbjahr 2014 über die finanziellen Kapazitäten verfügen, die Kosten eines strengen Tests zu tragen, ist eine weitere Verschleppung der Bankenkrise durchaus realistisch. Die Diskussionen zum Aufkauf fauler Kredite durch die EZB deuten bereits in diese Richtung.